Mit der Datenbrille kann man auch reden

Sozialpartner erkunden das Labor der Zukunft

Hannover. Zwischen wabenförmig angeordneten, sechseckigen Tischen steht eine Chemielaborantin im weißen Kittel, an den Händen blaue Wegwerfhandschuhe. Gelegentlich nimmt sie einen Behälter vom Roboter entgegen, stellt ihn in den Bioreaktor, füllt eine Probe um. Vor allem aber schaut sie konzentriert durch die Datenbrille, hält Barcodes davor und sagt „next“, wenn der nächste Arbeitsschritt dran ist. Dieses Bild einer möglichen Zukunft der Arbeit im Labor ließen sich etwa 80 Menschen aus Chemiebetrieben im Landesbezirk Nord im September vor Augen führen.  Das „Labor der Zukunft “ stand im Mittelpunkt der Sozialpartnertagung von IG BCE und Arbeitgeberverbänden der chemischen Industrie im Norden.

Sigrid Thomson

Labor
11.09.2017
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Im “SmartLAB“ auf dem Messegelände in Hannover durften die Tagungsteilnehmer auch mal selbst die Brille aufsetzen und den Forschern des Laborprojekts von der Universität Hannover Fragen stellen. Es rief gemischte Gefühle hervor: Wer den Beruf noch als Handwerk gelernt hat, fürchtete den Verlust von Fachkenntnis und Erfahrung, wenn im Labor nur noch Daten verarbeitet werden. Die Arbeit mit giftigen Stoffen aber könnte man gut an Roboter und Computer abgeben, fand der Chemietechniker Finn Lammers von der BASF Polyurethanes in Lemförde.

„Bei uns können Rezepturen für Kunden nach Bedarf errechnet werden“, berichtete seine Kollegin Manja Nürnberger. „Man muss die Daten aber achtsam eingeben, sonst stimmen die Berechnungen nicht“.  Birgit Kohlenberg, Aromaforscherin bei Symrise in Holzminden, weiß aus Erfahrung: „Die Chance besteht darin, zeitaufwändige Routinearbeiten loszuwerden. Wir werten die Daten in der so gewonnenen Zeit am Computer aus, das ist effektiver für das Unternehmen und macht auch mehr Spaß.“ 

Qualifizierung für diese Prozesse schon in Schulen und Ausbildungsstätten mahnte Gewerkschaftssekretär Gerald Proß an, der die Tagung moderierte. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Chemie Nord, Jochen Wilkens, ermutigte die Versammelten: Für große Innovationen in der Chemie brauche es immer noch Menschen.

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