Tarifkommission Papier Nord setzt Themen

Abkehr von Plastik belebt die Papierproduktion

Hannover. In vielen Papier produzierenden Betrieben hat sich die Auftragslage verbessert, weil mit der Abkehr von Plastikverpackungen die Nachfrage nach Spezialpapieren für die Lebensmittelverpackung steigt. Maschinen werden umgerüstet, Arbeitnehmer wieder gesucht: Mit solchen Berichten haben Mitglieder der Tarifkommission Papier in Norddeutschland  bei ihrer Klausurtagung am 18. und 19. November in Hannover ein positives Bild der Lage in ihrer Industrie gezeichnet. Zu den Trends der letzten Jahre gehöre allerdings auch eine zunehmende Verdichtung der Arbeit, die besonders die älteren Kolleginnen und Kollegen belastet. Schichtarbeiter wollten immer häufiger trotz finanzieller Einbußen früher in Rente gehen und könnten oft nicht ersetzt werden, erzählten die 24 Mitglieder der Tarifkommission aus zahlreichen Betrieben zwischen Flensburg und Herzberg. Die für solche Wünsche vorgesehene Altersteilzeit im 2008 abgeschlossenen Demografie-Tarifvertrag stoße dabei an finanzielle Grenzen, erklärte Gewerkschaftssekretär Fred Hartmann vom IG-BCE-Landesbezirk Nord.

Sigrid Thomson

TK Papier

Ralf Sikorski, stellvertretender Vorsitzender der IG BCE und im Bundesvorstand für Tarifpolitik zuständig, stellte die Erfahrungen aus der Papierherstellung in den größeren Zusammenhang der von der IG BCE organisierten Branchen: In der Chemieindustrie gebe es mit 80 Prozent noch eine hohe Bindung an Flächentarifverträge, auch in der Papierindustrie sei sie relativ stabil. Insgesamt aber liege die Tarifbindung in Deutschland mittlerweile bei unter 50 Prozent. Auch in den Bereichen der IG BCE gehe der Trend in diese Richtung, sagte Sikorski. Die Bedürfnisse von Arbeitnehmern hätten sich geändert: während viele früher gern Wochenendschichten für mehr Geld gemacht hätten, wollten sie heute eher Zeit für die Familie. Probleme liegen bei der andauernden Ansprechbarkeit und Effizienzsteigerung. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung hingegen hätten Beschäftigte in der Chemieindustrie nicht Angst, sondern berechtigte Fragen. Darüber, so Sikorski, sollte in der Öffentlichkeit mehr geredet werden.

Nach oben